Gaza: Es geht auch friedlich!

von Dr. Philipp Semerak (Kommentare: 0)

Bereits im Herbst 2013 besuchte Faten Mukarker, eine christliche Palästinenserin, die Klasse 9b.

Besuch aus Palästina: Bereits im Herbst 2013 besucht Faten Mukarker, eine christliche Palästinenserin, die Klasse 9b für zwei Stunden. Sie lebt mit ihrer Familie in Bethlehem und hat durch ihren Besuch den SchülerInnen einen Einblick in die Geschichte und das Leben in Palästina gegeben. Faten ist in Bethlehem  geboren und in Deutschland aufgewachsen. Ihre Eltern kamen mit den Kindern als Gastarbeiter Ende der 1950iger Jahre nach Deutschland. In der Schule lernte sie die deutsche Kultur kennen. Sobald sich zu Hause die Wohnungstür hinter ihr schloss, war sie in der arabischen Welt ihrer Familie. Sie betont, wie wichtig es ist die Sprache des Landes zu können. Da ihre Eltern die Sprache nicht konnten, blieb ihnen die deutsche Kultur fremd und verborgen. Faten erzählte den SchülerInnen anschaulich wie es ist in zwei Welten zu leben. Seid ihrer Heirat lebte sie wieder in Bethlehem. Zu Beginn war es schwer sich in dem dortigen Leben zurecht zu finden. Sie lebt, wie alle Familien, in einer Großfamilie und hat zwei erwachsene Söhne und zwei erwachsene Töchter und mehrere Enkelkinder.

60 % der Palästinenser sind unter 18 Jahren alt. Da es nur sehr wenige Schulen gibt, findet der Unterricht in zwei Schichten (vormittags/nachmittags) statt. Im Gaza-Streifen sogar in drei Schichten. In den staatlichen Schulen sind 50 Schüler und mehr in einer Klasse. Wohingegen in den Privatschulen (vor allem kirchliche Träger) nur 25 Schüler in einer Klasse sind. Mit 700€/Jahr  - anstatt 15€/Jahr - ist das Schulgeld dort sehr hoch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Familien in der Regel vier Kinder und mehr haben für die sie das Schulgeld bezahlen müssen. Die Eltern sparen sich das Geld mühsam zusammen, damit ihre Kinder eine gute Schulbildung bekommen.
Faten betont, dass es eine Einladung ist, die Geschichte Palästinas mit ihren Augen zu sehen. Eine Jüdin würde sie anders erzählen. Geschichte ist eben immer auch subjektiv.

Besonders wichtig war ihr zu sagen, dass früher alle friedlich miteinander dort gelebt haben und der palästinensische Mensch niemals gegen den jüdischen Menschen ist.

Der Konflikt wurde an uns heran getragen.

Der zweite wichtige Punkt ist ihr, dass es überall(!) Extremisten gibt. Bei den Palästinensern, wie bei den Juden.
Im Folgenden spannt sie einen geschichtlichen Bogen von Theodor Herzl über das 3. Reich, den Teilungsplan der UN, der folgenden Staatsgründung Israels, den Kriegen, den besetzten Gebieten, den Intifadas, den Osloer-Verträgen bis hin zur Siedlungspolitik und dem Mauerbau mit ihren konkreten Auswirkungen auf das heutige Leben in Palästina. Die zwei Stunden gingen sehr schnell vorbei und die SchülerInnen hätten gerne noch mehr Zeit mit Faten verbracht. Es gab noch so viel zu fragen. Rückblickend bleibt zu sagen, dass die SchülerInnen sehr berührt und beeindruckt waren von Fatens Besuch. „Das jemand von soweit her zu uns kommt.“ Es war lebendiger Geschichtsunterricht und der Blick in ein Land und Leben, welches so weit weg ist und doch die Weltpolitik immer wieder beeinflusst. Im Gedächtnis blieb auch, dass es einen Unterschied zwischen der Politik des Landes und den Menschen, die in dem Land leben, gibt. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Besuch durch Mittel der Kulturschule ermöglicht wurden. Herzlichen Dank! Uta Mayer

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